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Vinitaly 2018

Die Vinitaly in Verona fand 2018 bereits zum 52. Mal statt, und ist als Fachmesse für Wein und Spirituosen mittlerweile zu einer der bedeutendsten Ausstellungen weltweit herangewachsen. An 4 Tagen besuchen über 130.000 Besucher aus 142 Ländern die 4.270 Aussteller. Wir nehmen Euch auf einen Messebummel mit!

Für die meisten der über 32.000 Einkäufer bedeutet die Vinitaly auf dem 90.000m2 großen Messegelände viel Stress. Als private Weinliebhaber geht es uns besser, und wir nutzen den Messebesuch, um neue Weine zu entdecken, oder bekannte Winzer zu besuchen, und um uns einen Überblick über den aktuellen Weinjahrgang zu verschaffen. Aber auch der private Besucher ist gut beraten, wenn er sich vorher schon einen gewissen Plan zurecht legt, welche Region oder welchen Winzer er besuchen möchte.

Seit über 20 Jahren besuche jährlich die Vinitaly in Verona. Im Laufe der Zeit hat sich eine gewisse Routine eingestellt, und ich habe meine „Stammwinzer“ die ich jedes Jahr besuche um mir einen Eindruck über den aktuellen Jahrgang zu verschaffen (Christian Tyl).
Als Jungsommeliere war ich 2018 zum dritten Mal auf der Vinitaly. Wie mich meine Eltern zum ersten mal dorthin mitnahmen wußte ich, dass ich später einmal meinen Beruf rund um das Thema Wein aufbauen möchte (Alexander Tyl).

Unsere ganze Familie ist mit dem Gebiet Friaul-Julisch Venezien sehr stark verbunden. Wir nutzen die geografische Nähe zu Kärnten, um an Wochenenden Winzer in der Region zu besuchen, neue Lokale zu entdecken, oder mit unseren Rädern durch die wunderbare Landschaft zu fahren. Auf der Vinitaly haben wir die Möglichkeit fast alle Winzer aus dem Friaul auf komprimierter Fläche zu treffen, und deren aktuelle Weine zu verkosten. Auch der Zeitpunkt der Messe Anfang April ist optimal, um die für uns besten Weine bei den Winzern zu reservieren, da die Mengen noch nicht knapp sind.

Reges Treiben herrscht immer am Gemeinschaftsstand der Winzer aus Friaul-Julisch Venezien in der Messehalle 6, wo auf 1.500m2 über 60 Winzer ihre Weine ausschenken.

Immer ein Fixpunkt und Highlight der Verkostungen in der Friaul Halle ist das Weingut Gigante aus Corno di Rosazzo. Die Familie Adriano und Giuliana betreibt dort im Collio Orientali einen Weinbaugebiet in dritter Generation, und baut sehr sortentypische Weiß- und Rotweine aus. Ergänzt wird das Sortiment mit einem weißen und einem Rose´Sparklingwein, sowie einem erstklassigen Picolit Süßwein. Seit 2 Jahren gibt es auch die Möglichkeit im elegant eingerichteten Bed & Breakfast Haus – inklusive Spa Bereich – zu übernachten.

Die Highlights unserer Verkostung waren:

Giuliana Gigante und Jessica D´Osualdo vom Weingut Adriano Gigante in Corno di Rosazzo

Eine Neuentdeckung für uns war das Weingut Skok aus San Floriano. Edi Skok keltert ganz typische friulanische Weine, mit feinem Trinkfluss zu fairen Preisen. In der überschaubaren Weinauswahl fanden wir an den Weißweinen etwas mehr Gefallen wie an den Rotweinen. Diese Weine stachen uns besonders ins Auge:

Edi Skok aus San Floriano war eine der Neuentdeckungen 2018 für uns im Friaul

Mit dem Weingut La Tunella in Ipplis verbindet uns eine Lange Freundschaft. Massimo Zorzettig, der gemeinsam mit seinem Bruder Marco und Mutter Gabriella das Weingut betreibt, kann auf eine beachtliche Entwicklung seines Weingutes zurückblicken. Die Größe des Betriebes umfasst 70 Hektar, welche zu 70% mit Weißwein, und 30% mit Rotwein angebaut werden. Die Weine von Zorzettig erfahren jedes Jahr Bestnoten und Auszeichnungen in allen renommierten Weinführern wie Gamero rosso, Guide de Le´Espresso oder Operawine. Die Weinauswahl (2 Linien – Klassik und Lage) ist beachtlich, und das Weingut verfügt über sehr schöne Verkostungsräulichkeiten.

Die (frisch gefüllten) 2017er Klassik-Weißweine präsentierten sich alle sehr sortentypisch, blitzsauber und machten schon mächtig Trinkspass. Bei den Lagenweinen, die meisten Jahrgang 2016 und teilweise im großen Holzfaß ausgebaut, war es etwas schwieriger, denn viele Weine zeigten sich ziemlich verschlossen und waren schwer einzuschätzen. Extrem elegant waren die Rotweine. Von der Klassik-Linie stach uns der Pinot Noir 2016 und der Cabernet Franc 2016 besonders ins Auge. Eine Stufe Höher dann der Schioppettino 2015 und der L`Arcione 2013 (50% Schioppettino, 50% Pignolo). Letzterer zeigte sehr viel Fruchtsüße, Kirsche-Weichselaromen, eine wunderbare Säurestruktur und das alles bestens ausbalanciert. Extrem schön auch wie jedes Jahr der Pignolo 2012, der nicht so wie oftmals bei anderen Winzern durch harte Tannine auffällt, sondern lang anhaltend am Gaumen zart dahin schmeichelt.

Das Weingut La Tunella in Ipplis zählt zu den Spitzenweingütern Friuals.

Es macht immer Spaß mit Gianni Petrussa vom gleichnamigen Weingut in Prepotto über seine Weine zu philosophieren. Er und sein Bruder Paolo verstehen es in den Weinen Terroir – nämlich die Gegensätze zwischen der 30km entfernten Adria, und den Julischen Voralpen – sowie unter geringstem menschlichen Einfluss auf die Trauben von außen , in der Seele des Weines zum Ausdruck kommen zu lassen. Alle Bearbeitungen in den alten Weingärten werden von Hand druchgeführt, und die Qualität wird deutlich vor die Quantität gestellt.

Besonderen Stellenwert beit Petrussa zollt man der autochtonen Rebsorte Schippettino, welche im Weingut immer eine zentrale Rolle gespielt hat, und welcher dementsprechend auch jedes Jahr einer der besten Weine des Kellers ist. Unsere Highlights waren:

Gianni Petrussa aus Prepotto, achtet auf einen sehr schonenden und natürlichen Weinausbau

Reges Interesse und Gedränge herrscht meist am Stand von Ausnahmewinzer Damijan Podversic aus Görz. Sein Ziehvater war Josko Gravner, einer der großen Querdenker im Friaul und Pionier des natürlichen Weinanbaus. Dieser Linie treu bleibend, gibt es bei Podversic´s Weinen keine chemischen Hefen, Schwefel wird nur ganz sparsam eingesetzt, und die Worte Zucker und Filtration kommen im Sprachschatz des Winzers überhaupt nicht vor. Den Erntebeginn bestimmt Podversic nach Verkostung der Trauben, und bedient sich zusätzlich der Mondpahsen. Der Traubenmost gärt spontan dank der eigenen Hefe, und bleibt zwischen 60-90 Tagen auf der Maische. Die Weine von Podversic sind nicht leicht, und auch nicht gleich für jedermann verständlich. Die Farbe geht odt ins leicht bräunliche, und der Geschmack ist dominiert von einer eigenwilligen süßlich frischen Säure. Es gab 2 Weine zum Verkosten:

Tyl Junior und Podversic Junior – junge Leute, die sich für natürlichen Wein interessieren!

Ein Weingut, welches uns immer ganz besonders fasziniert ist Fasoli Gino aus der Nähe von Verona. Die Weine werden von den Brüdern Natalino und Amadio nach strengen biologischen Kriterien gekeltert. Es gibt einerseits günstige Trinkweine für jeden Tag aus der Garganega Traube wir z.B. den Lugana oder Soave in verschiedenen Qualitätsstufen, aber auch ganz besondere Weine höherer Qualität die sich ganz eigenständig präsentieren:

Das Weingut Fasoli Gino überrascht uns jedes Jahr wieder mit ganz eigenständigen Weinen. Ein Highlight war der Pinot Noir „Sande“ aus der Magnum! Danke für dieses Erlebnis und Eure Freundlichkeit!

Aber nicht nur italienische Weine gibt es auf der Vinitaly. Aus Slowenien hat uns Matjaž Zagradišnik die Weine vom Weingut Carolina-Jakoncic verkosten lassen. Das aus der Brda stammende Weingut verfügt über eine sehr große Angebotspalette an Weinen. Es gibt die klassischen im Stahl ausgebauten Jakoncic Weine wie Rebula (Ribolla Gialla) oder Sivi Pinot (Pinot Grigio), und die kräftigeren, im Holz ausgebauten Weine von Carolina wie Bela Carolina (60% Chardonnay, 35% Rebula, 25% Sauvignon Blanc), oder den neuen UVAIA Orangewein, der im ovalen Ei-Holzfaß ausgebaut wird. Nach 14 stündiger Vergärung wälzt sich der Wein im ovalen Faß ständig von selbst um. Als Ergebnis präsentiert sich ein fast dunkelbrauner Wein mit reduzierter Säure, sehr stoffig, deutliche Tannine, Orangenzeste und leichten Raucharomen.


Matjaž Zagradišnik präsentierte uns die Weine von Caroline-Jakoncic

Auf der Vinitaly gibt es aber auch die Möglichkeit in verschiedenen regionalen Konsortien eine riesige Auswahl an Einzelweinen des Gebietes zu verkosten. Diese Stände bieten die Möglichkeit in einem Vergleichsverfahren unbekannte Winzer gegen bekannte Größen „antreten zu lassen“, und wir finden dabei immer wieder neue – meist preislich interessante – Weine. Manche dieser Konsortien haben zusätzlich zu den Verkostungsmöglichkeiten im Stehbereich, auch Verkostungstische im abgesperrten Bereich, wo wir eine Terminvereinbarung empfehlen.

Alexander im Frontbereich des „Consorzio Vino Chianti“
Hier der „back office“ Bereich des Consorzio Brunello die Montalcino, wo sich nahezu alle Weine der Region verkosten lassen.

Text: Christian und Alexander Tyl – Fotos: Christian und Yvette Tyl

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