
In den altehrwürdigen Mauern des Palazzo Gran Guardia vis a vis der Arena von Verona, findet jeweils am Tag vor der Eröffnung der Weinmesse „Vinitaly“ des elitäre Weinevent „Operawine“ statt. Ausgesuchte Journalisten, Sommeliers und Weinkritiker haben die Möglichkeit, die vom amerikanischen Weinmagazin „Wine Spectator“ auserkorenen 100 besten Weine Italiens zu verkosten. Wir waren für Euch dabei!
Für viele ist die „Operawine“ das Highlight der Vinitaly. Auch der italienische Starwinzer Piero Antinori bezeichnete diese Veranstaltung als „das“ Schaufenster für die Weinwirtschaft Italiens, sind dort auch alle Weinbauregionen komplett vertreten.
Die Winzer werden jedes Jahr von einer Fachjury des „Wine Spectators“ neu ausgewählt, und sind an der Veranstaltung persönlich anwesend. Alle Winzer haben einen gleich gestaltetetn Stand, und präsentieren dort ihren Siegerwein. Für uns war es extrem spannend konzentriert auf einen Fleck alle italienischen Starwinzer vertreten zu haben, und mit diesen die Weine verkosten und besprechen zu können.
Die Veranstaltung beginnt um 15.00 Uhr, und dauert bis 18.00 Uhr. Man muss daher sehr gezielt beim Verkosten vorgehen, um alle gewünschten Weine probieren zu können. Eine Vorselektion der Winzer und Weine, welche auf der Webseite von „Operawine“ schon vorweg bekannt gegeben werden, ist daher nahezu unerlässlich.
Wir starteten gleich „vollgas“ mit einem „Ferrari„! Der Brut Trento Giulio Ferrari Riserva del Fondatore 2000 bestach durch eine wunderbare cremigkeit, intensiven Röstaromen und einer enormen Länge.
Beim Stichwort „Ca´ del Bosco„ bekommt jeder Schaumwein-Liebhaber feuchte Augen. Wir konnten das Spitzenprodukt des Hauses, den Franciacorta Cuvée Annamaria Clementi Riserva 2005 verkosten. Es handelt sich um eine Cuvee aus Chardonnay, Pinot Bianco und Pinot Nero, hergestellt nach der Champagne Methode, und erinnert an große Cuvees´aus der Champagne.
Aus dem Friaul konnten wir uns an der Cuvee` Biancosesto 2014 (50% Friulano, 50% Ribola Gialla) vom Weingut „La Tunella“ erfreuen, welche sehr elegant, von der Frische des Ribolla Gialle dominiert, aber dennoch gut strukturiert, lang am Gaumen blieb. Um uns dann voll und ganz auf den Ribolla Gialla 2003 vom Weingut Gravner zu konzentrieren. Der Wein wurde uns ausgeschenkt aus der Magnum Flasche. Es war eine limitierte Spezial-Edition, welche 14 Jahre Reifung hinter sich hatte: 1 Jahr in der Amphore, 6 Jahre in großen slavonischen Hozfässern, und dann noch 7 Jahre in der Flasche. Eine zarte orange-braune Farbe kennzeichnete den Wein, welcher am Gaumen ganz zarte orangen-karamell Töne entwickelte und einen ewig langen Abgang hinterließ. Ein Wein für die Ewigkeit….aber leider ausverkauft.
Bei den Rotweinen führt kein Weg an den „Besten der Besten“ Weinmacher Italiens vorbei. Namen wie Ornellaia, Sassicaia oder Fontodi kennt man natürlich, wir konnten aber auch einige für uns noch unbekannte Weingüter kennenlernen, und waren begeistert von den verkosteten Weinen.
Extrem elegant und trotz seines Alters noch „voll da“ war der Brunello di Montalcino Madonna del Piano Riserva 1988 vom Weingut „Valdicava„. Ein persönliches Highlight für uns war dann der Vino Nobile di Montepulciano Il Nocio 2013 von „Boscarelli„. Er zeigte, zu was Sangiovese Traube alles fähig ist. Voller Körper, tiefrot und Aromen nach Kirsche, Gewürzen und Johannisbeere.
Aus dem Piemont hatten es uns das Weingut „Braida“ von Giacomo Bolgna besonders angetan. Wo sich sonst die meisten Winzer der Region auf die Rebsorte Nebbiolo konzentrieren und daraus kräftige Barolos oder Barbaresci keltern, hat sich „Braida“ ganz der Barberatraube verschrieben, und macht daraus die weltbesten Kreszenzen. Der verkostete Barbera d’Asti Bricco dell’Uccellone 2015 überzeugte mit zarten Nuancen nach Vanille, roten Beeren, etwas Pfefferminze und zeigte sich am Gaumen als Schmeichler mit einer jugendlichen Säure und feinen Tanninen.
Ganz anders dagegen der Barolo Bricco Boschis Vigna San Giuseppe Riserva 2010 vom Weingut „Cavallotto“, der sich mächtig und kräftig darstellte, nach reifen Zwetschgen und Kirschen schmeckte und mit seiner ruppigen Tanninstruktur einen langen Abgang hinterließ.
Text: Alexander und Christian Tyl – Fotos: Yvette Tyl
